Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...


Eine Scheibe Brot und eine Tasse Kaffee

Es klingelt an der Tür. Klaus geht hin und öffnet. Vor ihm steht einer mit ungewaschenen Haaren, speckiger Jacke und einem Stoffbeutel. Er riecht, nein: er stinkt. Nach Schweiß und Alkohol.    Er will etwas: „Haben Sie etwas Kleingeld für mich, für den Bus?“

„Warum klingelt der ausgerechnet bei mir?“, fragt sich Klaus. „Geld wird er von mir nicht bekommen. Soll er doch aufhören, zu trinken. Und sich eine Wohnung und eine Arbeit suchen. Waschen sollte er sich und ein wenig anstrengen. Dann  wird’s auch was.“

Klaus schüttelt den Kopf und greift nach der Klinke, in der festen Absicht, die Tür zuzumachen.  Doch stattdessen sieht er sich selber dabei zu, wie er die Tür weiter öffnet und den Mann in seine saubere Küche bittet.    Er beobachtet sich erstaunt dabei, wie er dem Fremden eine Scheibe Brot schmiert und eine Tasse Kaffee kocht. Dann setzt er sich zu ihm an den Küchentisch.

Während er isst, erzählt der Mann  seine Geschichte. Er heiße Michael und habe einmal das Meer von einer Insel aus sehen wollen. Arbeit habe er schon lange keine mehr. Aber wer wolle einen wie ihn auch einstellen?  Klaus hört zu, ohne sich zu entscheiden, ob er Michaels Geschichte für wahr halten soll oder nicht.

Als Michael geht, sagt er: „Das tat gut, Sie sind ein lieber Mensch, vielen Dank. Gott segne sie.“  Klaus schließt die Tür, erstaunt über sich selber, über das, was er gerade erlebt hat.

Für den Augenblick dieser kleinen Mahlzeit blühte etwas auf. Es war nur ein Augenblick. Aber es bleibt in Klaus etwas zurück von diesem Moment. Der Eindruck, dass er diesen fremden Michael kannte. Ein warmes Gefühl im Bauch. Ein Segen.  Klaus geht zurück in die Küche, öffnet das Fenster und nimmt sich noch eine Tasse Kaffee.