Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Dem Segen Raum geben

"Die Diskussionen um die Akzeptanz schwuler und lesbischer Menschen halten im Grunde schon seit Jahrzehnten an, sie haben aber gerade in den letzten Jahren erheblich an Dynamik gewonnen. Das Ergebnis ist ein gesellschaftlicher Lernprozess und auch eine Kultur des offenen und gelassenen Sprechens über die eigene wie über die Sexualität anderer und die unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens.

In Bezug auf die kirchliche Begleitung von Paaren in einer Eingetragenen Partnerschaft ist klarer geworden, dass der Kern der Handlung in der Bitte um Gottes Segen für ein Paar liegt. Dieser Segen ist – wenngleich von uns gesprochen – eine Tat Gottes. Dies bringt uns das hohe Gut des Segens nahe und macht uns zugleich frei den Segen zu erbitten, ihn zuzusprechen, so dass er im Leben der Menschen Raum gewinnen kann.

[…] Es gibt dem Evangelium entsprechende, gute Gründe, auch lesbischen und schwulen Paaren Gottes Segen zuzusprechen. Er gilt dem Menschen als ganzer Person inklusive seiner sexuellen Orientierung. Zugleich stellen wir fest, dass Christinnen und Christen in unserer Kirche eine andere Bewertung der biblischen Texte vornehmen. Sie haben ein Verständnis der Bestimmung des Menschen als Geschöpf und Ebenbild Gottes, aufgrund dessen sie einer Segnung homosexueller Gemeindeglieder kritisch gegenüber stehen.

Bei Achtung dieser unterschiedlichen Positionen und der Gewissensentscheidungen, die darin zum Ausdruck kommen, vertritt die Nordkirche mit guten Gründen in dem ihr zur Verfügung stehenden Rahmen die beschlossene Neuregelung: Die Segnung von Paaren, die in einer Eingetragenen Partnerschaft leben, soll zukünftig eine Amtshandlung sein, die in einem öffentlichen Gottesdienst zu gestalten ist. Eine von der Synode beschlossene liturgische Handreichung gibt dafür Hinweise und Anregungen. Die Erfassung im entsprechenden Kirchenbuch, in dem Segnungen zusammen mit Trauungen und Gottesdiensten anlässlich einer Eheschließung aufgeführt werden, sorgt für eine Wahrnehmung sowohl der Amtshandlung als auch der Menschen durch die Gemeinde, sie sorgt aber damit zugleich für eine Selbstwahrnehmung der Kirche für ihr Tun."

Aus: „Dem Segen Raum geben“  - Neuregelung der Segnung von Paaren in Eingetragenen Lebenspartnerschaften in der Nordkirche, hrsg. v. Landeskirchenamt der Nordkirche, Dezernat für Theologie und Publizistik, 2017, S. 20f.