Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Weil das Leben bunt und würzig ist

„Wie dumm bist du!“, sagt Gott, „noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern. Wem gehört dann das, was du angesammelt hast?“ 

Gott sagt das zu einem Bauern, der eine außerordentliche Ernte einfährt. Sie ist so gut, dass seine Scheunen zu klein sind und er sie abreißen und größere bauen will. Dann, so sagt er sich, hat er ausgesorgt.  Er hat nach menschlichem Ermessen alles richtig gemacht. Aber nicht nach Gottes Ermessen: „Wie dumm bist du!“ 

Warum sagt Gott das? Die Konfirmand*innen haben darüber nachgedacht.    Dass die Scheunen zu klein waren, war ein Zeichen, haben sie gesagt: Als sie voll waren, hatte der Bauer doch genug. Warum hat er den Rest der Ernte nicht an andere abgegeben? 

Ich führe den Gedanken weiter: Womöglich fehlte ihm etwas, um teilen zu können. Erstaunen über die außerordentlich große Ernte etwa. Oder Dankbarkeit dafür, dass so viel gewachsen ist.    Staunen über das Wunder der Natur also oder ein Gebet: „Danke, Gott, dass ich so beschenkt werde.“ 

Die Geschichte vom Bauern und Gott erzählt Jesus. Und eigentlich soll sie immer zu Erntedank im Gottesdienst weitererzählt werden. Um daran zu erinnern, dass zur Ernte und zum Leben das Staunen und die Dankbarkeit gehören. 

Aber noch viel besser als diese Geschichte erinnert womöglich die geschmückte Kirche. Der Duft von frischem Brot und würzigen Zwiebeln. Das Leuchten von grünroten Äpfeln, orangefarbenen Kürbissen, und goldgelbem Korn.  All das hält vor Augen und unter die Nase, worüber ich staunen und wofür ich dankbar sein kann. Weil es das Leben bunt und würzig macht. 

Es liegt vor dem Altar, um auch Gott zu zeigen: Das haben wir geerntet. Darüber freuen wir uns.  Und nach dem Gottesdienst tragen wir es weiter, in Kisten und im Herzen. Um mit anderen Menschen zu teilen, womit Gott uns reich macht. 

Ihre Pastorin
Kirsten Hoffmann-Busch