Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Zwei dicke Köpfe

Herr B. hat es eilig. Er will pünktlich zur Sitzung kommen. Im Laufschritt biegt er um die letzte Hausecke. Es gibt einen Schlag und er liegt am Boden. Benommen richtet er sich auf. Neben ihm stöhnt es. Herr G. kniet auf allen Vieren vor ihm.

Herr B. und Herr G. kennen sich seit Kindertagen. Herr G. ging in der Klasse über Herrn B. zur Schule. Aber sie spielten in derselben Fußballmannschaft. Udo und Paul, so haben sie sich damals angesprochen.

Seit ein paar Jahren reden sie sich als Herr B. und Herr G. an. Wenn sie sich denn anreden. Meistens gehen sie sich aus dem Weg. Nur einmal im Monat sitzen sie sich bei den Vorstandssitzungen des Fußballvereins gegenüber. Dann streiten, Herr B., der ehemalige Torwart, und Herr G. der altgediente Stürmer. Wenn einer „Ja“ sagt, sagt der andere „Nein“. Manchmal genügt ein falscher Blick und einer von beiden geht hoch wie ein Pulverfass.

Jetzt knien sie auf dem kalten Bürgersteig nebeneinander. Herr G. reibt sich die Nase, und Herr B. betastet die Beule an seiner Stirn. „Kannst du nicht aufpassen?“, sagen Herr B. und Herr G. gleichzeitig. Dann schauen sie sich an.

Herr B. beginnt zu grinsen. „Weißt du noch, damals, bei den B-Junioren?“, fragt er. „Da bin ich dir mit dem Kopf reingerauscht, als du den Ball wegfausten wolltest“, sagt Herr G. „Das tat einen Schlag!“ „Oh ja, der Kopf hat mir noch zwei Tage später gebrummt.“ „Aber wir haben gewonnen, oder?“ „Ja, das haben wir!“

Beide schweigen einen Moment. „Es tut mir leid“, sagt Herr G. und macht eine ausladende Armbewegung. „Mir auch“, nickt Herr B. und reicht Herrn G. die Hand. Gegenseitig helfen sie sich auf. Herr B. klopft Herrn G. auf die Schulter. „Udo“, sagt er. „Paul“, antwortet Herr G. Dann gehen sie gemeinsam zur Sitzung.