Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...


Man müsste auch zu Hause im Urlaub sein

Er hat sich auf diese zwei Wochen gefreut. Sie beginnen, als es nach der Nachtfahrt langsam hell wird und in der Ferne sich die ersten Berge im Morgendunst erheben.

Er zählt die Ausfahrten, bis er von der Autobahn abbiegt und über unzählige Kurven in sein Tal hinauffährt. Er sagt nur schnell der Wirtin guten Tag, stellt die Taschen in sein Zimmer und zieht sich in Windeseile die Wanderschuhe an.

Hinter dem Haus steigt er den Hang hinauf, immer weiter und weiter, bis er auf dem Gipfel steht. Das Herz pocht, als er dort ankommt, und der Atem geht schnell.

Übermüdet, aber glücklich breitet er die Arme aus, um das Tal zu umarmen, das vor ihm liegt, und mit ihm sein ganzes Leben.

In den Tagen, die folgen, wandert er mit offenen Augen und Sinnen durch sein Tal. Die Kühe begrüßt er wie alte Bekannte, dem Adler folgt er minutenlang mit seinem Fernglas. Nach jeder Wanderung steigt er in den glasklaren und eiskalten Bergsee vor der Haustür.

Beim Senner kauft er den Bergkäse, der so einmalig nach Urlaub schmeckt: Würzig und fest. Dazu trinkt er einen Schluck Wasser aus dem Brunnen an der Hütte.

Er packt ein großes Stück von diesem wunderbaren Käse in sein Gepäck, als er nach zwei Wochen wehmütig Abschied nimmt von seinem Tal.

zu Hause im Alltag angekommen, ist die Sehnsucht  nach den Bergen groß. Er nimmt den Käse, schneidet ein Stück ab, beißt hinein – und isst enttäuscht: Es schmeckt ganz anders als auf der Alm. Hat der Senner den falschen Käse eingepackt? Oder liegt es an ihm selber?

Man müsste auch zu Hause im Urlaub sein, denkt er sich dann. Sich im Alltag etwas von dem Bewahren, was den Urlaub ausmacht: Über die kleinen Dinge zu staunen, Tag für Tag. Und dankbar zu sein für das große ganze Leben. Und dem Segen nachzuspüren, der auf all dem liegt. Vielleicht schmeckt dann auch der Bergkäse wieder wie im Urlaub.