Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

 

Das Geschenk

Menschen rempeln ihn an, drängeln sich an ihm vorbei. Er ist ein laufendes Hindernis, mitten im Geschiebe der Fußgängerzone an diesem Samstag im Advent.

Er merkt nichts davon. Er sieht nicht die Lichter und riecht nicht die Mutzen. In ihm ist es leer und dunkel. Es ist alles so sinnlos ist, denkt er. Dass er der einzige Mensch ist, auf den sich niemand freut. Seine Freunde haben alle genug mit sich selber zu tun. Und wer von ihnen kann ihn schon wirklich verstehen?

„Hast du ein Geschenk für mich?“ Vor ihm steht ein Mädchen und strahlt ihn an. „Oder hast du keine Geschenke mehr?“

„Komm, wir gehen weiter.“ Die Mutter will das Mädchen weiterziehen. „Aber ich will erst ein Geschenk“, das Mädchen stapft mit dem Fuß in den Schneematsch.

„Warten Sie, warte“, sagt er da. „Ich glaube, ich habe noch eines für dich.“

Er nimmt den Sack von der Schulter, krempelt ihn ein wenig auf und geht in die Knie. „So, dann greif mal hinein.“

Das Mädchen fasst mit seiner Hand in den Sack und zieht eine kleine Schachtel heraus.

„So, nun sag Danke, wir müssen weiter“, sagt die Mutter und wendet sich zum Gehen.  

„Danke, lieber Weihnachtsmann“, sagt das Mädchen, „du bist lieb.“ Als seine Mutter es schon fortzieht, ruft es über die Schulter: „Aber du musst nicht so traurig gucken.“

Der Mann richtet sich wieder auf, schiebt die Mütze aus der Stirn, glättet den Bart, streicht über den roten Mantel und wirft sich den Sack über die Schulter. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

„Ich bin ja der Weihnachtsmann“, sagt er. Dann ruft er laut: „Von drauß’ vom Walde komm’ ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.“