Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Die aktuelle Predigt  

Hier finden Sie in der Regel die Predigten der letzten beiden Sonntage. Weitere Predigten finden Sie hier.

So einfach
1. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juni 2017 -- Philipp Busch

Am Anfang war alles ganz einfach.
„Steh auf, nimm deine Matte und geh!“ Das hatte der Mann zu ihm gesagt, der plötzlich vor ihm stand und ihn fragte, ob er gesund werden wolle.
Natürlich wollte er das. Seit 38 Jahren wartete er darauf. Endlich wieder laufen können. Ein Traum, der ihm in den Jahrzehnten zum Alptraum wurde, weil er sich nicht erfüllen wollte.
Aber es am Ende doch tat. „Steh auf, nimm deine Matte und geh!“ Ja, er nahm seine Matte und ging. So einfach war das.

Am Anfang ist alles ganz einfach.
Eine Tür tut sich für dich auf und du trittst durch sie ein in das Haus des Glaubens.
Vielleicht bist du vorher um das Gebäude geschlichen, hast an Türen gerüttelt, die verschlossen waren, hast durch Fenster geschaut, die lange nicht mehr geputzt wurden.
Aber jetzt trittst du über die Schwelle. Vielleicht reicht dir jemand die Hand. Einer, der sich auskennt in dem Haus. Der die Tür von innen für dich öffnet und dich freundlich fragt, ob du nicht eintreten willst.
Und du trittst ein und staunst und fühlst dich wohl: „Ja, hier kann ich bleiben.“ Und du wunderst dich, warum du nicht schon viel früher die Tür gefunden hast.
Du gehst zu den Menschen, die dir winken, dich zu ihnen zu setzen. Einer holt einen Stuhl und stellt ihn dir hin, eine andere springt auf und bringt Teller und Glas.
Du setzt dich und schaust sie an. Sie lächeln dir zu und schenken dir ein und du feierst mit ihnen das Leben.

So einfach war das. Am Anfang. Dann kamen die Probleme.
„Du darfst deine Matte nicht tragen!“ Zwei Vertreter der  Behörden hielten ihn fest. Der eine zeigte auf die Matte unter seinem Arm, der andere auf das dicke Buch, das der unter dessen Arm trug.
Da stand drin, dass man das nicht tun dürfe, am Sabbat eine Matte tragen. Da müsse man Gott die Ehre geben und ruhen.
Gott die Ehre geben, das wollte er gern, schließlich war er endlich gesund. Aber ruhen, ach, das hatte er doch zuvor 38 lange Jahre getan.
Das ließen die beiden nicht gelten, und er wollte ihnen den Mann zeigen, der ausgerechnet am Sabbat zu ihm gesagt hatte, er solle seine Matte nehmen. Aber der war weg.
Damit hätte der Ärger ein Ende haben können, wenn er nicht selber für mehr gesorgt hätte. Er ging in den Tempel, um Gott die Ehre zu geben und ihm zu danken. Dort traf er ihn wieder, den Mann, der ihn geheilt hatte, Jesus.
Er dankte ihm, er dankte Gott. Dann ging er fort aus dem Tempel und zu den Behörden und sagte: Der war es, der Wanderprediger Jesus, der mir gesagt hat, ich solle meine Matte nehmen, und ich habe das getan, wo ich doch nicht wusste, dass man das am Sabbat nicht darf.

So einfach ist das. Am Anfang. Dann kommen die Probleme.
Du fühlst dich wohl im Haus des Glaubens. Du genießt die  Gemeinschaft.
Aber die ist nicht nur gastfrei. Die weiß auch, wie einer sich zu benehmen hat, der dazu gehören will. Du musst gerade sitzen am Tisch des Herrn und die Hände auf den Tisch legen.
Es gibt viele Regeln, die du kennen sollst, ohne dass sie dir einer erklärt. Und Vorschriften, die du halten sollst, weil man das eben schon immer so getan hat.
Und es gibt Menschen, die darauf achten, dass du auch das tust, was sie für richtig halten. Schließlich steht das ja in dem dicken Buch, das sie unter ihrem Arm tragen.
Nur den Gastherrn, den vermisst du manchmal. Sein Platz an der großen Tafel bleibt leer. Das muss so sein, sagen die anderen. Er ist dennoch gegenwärtig. Davon spürst du manchmal wenig.
Dafür entdeckst du die Spinnweben in den Ecken des Hauses und den Dreck, der unter den Teppich gekehrt wurde.
Und dir fallen die Leute ein, die dich schon gewarnt haben, als du noch um das Haus des Glaubens herumgelaufen bist. Was, wenn es den Hausherrn gar nicht gibt?

So einfach war das am Anfang. Und es wurde wieder einfach.
Er war mit dabei, als die Vertreter der Behörden Jesus zur Rede stellten. Oder war es umgekehrt: Jesus stellte die Behördenwächter zur Rede?
Er zeigte jedenfalls auf das dicke Buch unter ihrem Arm und sagte:
„Ihr erforscht die Heiligen Schriften, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu erhalten. Auch die sind meine Zeugen. Aber ihr wollt euch mir nicht anschließen, um das ewige Leben zu erhalten.“ (Johannesevangelium 5,39-40 -- www.basisbibel.de.)
Die Behördenvertreter schauten verdutzt. Er verstand ihn sofort. Aber er hatte ja auch nicht 38 Jahre über Büchern gesessen, sondern gelähmt auf einer Matte gelegen.
Wenn dann einer kommt und sagt: „Steh auf!“ – dann musst du nicht in Büchern forschen; dann weißt du, wie Trost und Segen sich anfühlen und woher sie kommen. Plötzlich sind sie in dein Leben gefahren. Nicht weil du sie gesucht hast, sondern weil sie dir einer geschenkt hat.
Aber Jesus war noch nicht fertig mit den Behördenmenschen. Freundlich holte er zur Klatsche aus:
„Ich habe euch durchschaut: Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr lehnt mich ab. Wenn aber irgendjemand anderes in seinem eigenen Namen kommt – den nehmt ihr auf. Wie könnt ihr denn zum Glauben kommen? Es geht euch doch nur darum, dass einer dem anderen Herrlichkeit zugesteht! Aber nach der Herrlichkeit, die der einzige Gott schenkt, strebt ihr nicht.“ (Johannesevangelium 5,42-44 -- www.basisbibel.de.)
Er sah, wie der eine der Behördenmenschen zuckte, als wollte er sich wegducken, der andere aber vor Zorn bebte: Keine Liebe zu Gott? Wo sie doch dessen Gesetze verwalteten.
Er fühlte mehr, als er verstand, dass stimmte, was Jesus den Behördenleuten vorwarf. Sie waren gefangen in dem Netz, dass sie selber gesponnen hatten.
Ein feines, ein kunstvolles Netz aus Regeln über das, was man zu glauben hat und zu tun. Sie webten immer weiter an dem Netz, immer engmaschiger wurde es. Sie achteten darauf, dass jeder tat, was er tun sollte. Und sie wussten, dass auch sie beobachtet wurden.
Es war ein Wettstreit: Wer die Regeln am besten beherrschte, stieg am höchsten. Woher die Regeln einmal kamen und wozu sie gut waren – das spielte nur auf dem Papier eine Rolle.
Sie und all die anderen Behördenvertreter hatten sich selbst gefangen in ihrem Netz. Sie waren so gelähmt, wie er die 38 Jahre auf seiner Matte gelegen hatte.
Es war an der Zeit, dass mal einer kam und zu jedem einzelnen von ihnen sagte: „Steh auf!“ Und eigentlich stand der ja vor ihnen. Aber sie sahen die Hand nicht, die er ihnen zum Aufstehen reichte.
Er, er hatte die Hand genommen. Er war aufgestanden. Und er wusste jetzt auch, wer ihm aufgeholfen hatte. So einfach war das. So einfach würde das hoffentlich bleiben.

So einfach ist das am Anfang. Und es wird wieder einfach.
Da betritt eines Tages ein Fremder das Haus des Glaubens und fragt, ob neben dir noch Platz sei. Du willst erst auf einen anderen freien Platz zeigen. Doch dann stehst du auf und holst einen Stuhl und einen Teller und ein Glas.
Der Fremde sitzt neben dir und ist neugierig. Er will wissen, was du hier machst. Du fängst an, ihm von den Regeln zu erzählen.
Aber er unterbricht dich. Von den Regeln will er nichts wissen. Von dir will er etwas wissen. Was du hier machst. Was du hier suchst.
Dir läuft es kalt über den Rücken und heiß durch den Magen. Das hattest du fast vergessen. Du bist ja in das Haus des Glaubens gekommen, weil du etwas suchtest.
Was war es? Trost? Vielleicht war es Trost. Kein Taschentuch, kein „Das wird schon wieder“. Sondern Trost. Also: Die Gewissheit, dass es Sinn macht, was du erlebst. Das Schöne und das Schwere.
Segen, das wäre ein anderes Wort für diesen Trost. Nicht dass alles irgendwie gut wird und dir nichts geschehen kann. Aber dass du gewiss sein kannst: Einer meint es gut mit dir. Er schaut dich freundlich an.
Der Fremde schaut dich an, ziemlich freundlich immerhin, und nickt. Das kann dich hier finden, sagt er. Dann legt er dir die Hand auf die Schulter und steht auf.
Er geht um den Tisch herum und setzt sich auf den Platz des Hausherrn. Und er nimmt ein Stück Brot und bricht es und gibt es an seine Nachbarin weiter.
Du willst etwas sagen, aber der Fremde, der es auch für dich jetzt nicht mehr ist, legt den Zeigefinger an die Lippen und lächelt dich an.
So einfach ist das. So einfach wird das hoffentlich bleiben.

Hinter der Tür
Sonntag Trinitatis, 11. Juni 2017 -- Kirsten Hoffmann-Busch

Die Holztür öffnet sich schwer und langsam. Als wolle sie sagen: Achtung, du trittst über eine Schwelle zu einem anderen Raum.
Die Tür schließt sich hinter ihm. Mit einem Klicken fällt sie ins Schloss. Die Geräusche und das Licht des Tages bleiben draußen.
Er macht drei, vier Schritte nach vorn. Der Raum breitet sich vor ihm aus in seiner Breite und Höhe und Tiefe. Als sollte er die Ewigkeit fassen.
Am anderen Ende leuchtet der Altar mattgolden. Unendlich viele Schritt scheint es von hier bis dorthin. Das Gewölbe zieht den Blick nach oben. Knapp unter dem Himmel schließt es der Schlussstein, der die Spannung hält.
Seine Schritte verhallen in der Weite. Er lauscht in die Stille unzähliger Gebete, die in dem Raum schweben.

Jesaja schreibt:
In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel.
(Jesaja 6,1)

Da betrittst du eine Kirche und hast eigentlich nichts anderes vor, als sie dir einmal anzuschauen. So viel gibt es an dem Ort ja nun nicht zu sehen.
Dann stehst du in dem Raum und wunderst dich über dich: Was ist es, das dich so ergreift?
Bilder steigen in dir auf. Aus längst vergangenen Zeit kommen sie und von ganz anderen Orten. Doch sie ziehen jetzt in diesem Raum an dir vorüber.
Diese kindliche Weihnacht an der Seite deiner Eltern, umgeben von leuchtenden Kerzen und andächtig-ungeduldigen Menschen. Das klopfende Herz, als du am Taufstein stehst, deinen Kopf beugst und das Wasser spürst und die Hand, die dich segnet. Die Tränen, die du weinst und deine Mutter mit dir, als ihr nebeneinander sitzt und auf den Sarg von Oma schaut.
Du schüttelst dich. Eigentlich willst du dir doch nur den Raum anschauen und vielleicht ein oder zwei Bilder machen. Stattdessen siehst du dein Leben.
Du setzt dich hin und schließt die Augen. Da siehst und spürst du noch mehr: ein heiliger Ort, der Gott gehört. An dem du Gott gehörst.

Jesaja schreibt:
Serafim standen über dem Thron; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie.
Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!
Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch.

(Jesaja 6,2-4)

Auch Serafim sind Engel, sind Boten Gottes. Aber solche, die Furcht einflößen: Schlangengleiche Wesen mit einem Menschenkopf, sechsflügelig.
Mit zwei Flügeln fliegen sie.
Mit zwei anderen bedecken sie ihre Augen, weil Gottes Angesicht so blendet. Mit dem letzten Paar decken sie ihre Geschlechtsteile ab, um allein Gott die Ehre zu geben.
Aber vor allem: Sie rufen und singen laut: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen! Alle Lande sind seiner Ehre voll.“
So laut ist ihr Gesang, dass die Schwellen des Tempels davon erbeben und das Gebäude in seinen Grundfesten erzittert.

So jedenfalls sieht und erzählt es Jesaja vor bald 2.800 Jahren. Er steht im Tempel, einem Gebäude aus Stein und Lehm wie andere Gebäude auch. Und doch ein Heiliger Ort, einer der Gott gehört. Der Tempel kann Gott nicht fassen, aber seit Salomos Zeiten wohnt dort immerhin Gottes Name.
Jesaja sieht, wie mitten in seiner Wirklichkeit noch eine ganz andere verborgen ist, unsichtbar und doch da: die Wirklichkeit Gottes. Unfassbar groß, erschreckend und gefährlich, so erlebt er sie.
Alles Reden vom lieben Gott, von dem, der gütig und verständnisvoll ist wie ein gütiger Großvater, verbietet sich. Für Jesaja zumindest. Wer so von Gott redet, redet ihn klein.
Er begegnet Gott. Und der hat die Kraft, ein ganzes Leben in den Grundfesten zu erschüttern wie es der Gesang der Seraphim tut.
Vermutlich wäre Jesaja etwas anderes lieber. Ein wohliger kleiner Schauer vielleicht und das warme Gefühl, dass alles so, wie es ist, gut ist. Dass er so, wie er ist, gut ist. Als würde Gott sagen: Ich bin okay, du bist okay.
Aber Gott sagt nichts. Nur die Serafim singen laut. Und Jesaja zittert vor Angst.
Wer in das Kraftfeld Gottes gerät, womöglich ganz unbeabsichtigt, der wird durcheinandergewirbelt. Am Ende ist er nicht mehr der, der er vorher war.

Jesaja schreibt:
Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.
(Jesaja 6,5)

Jesaja gibt sein Leben aus der Hand in diesem einen Augenblick. Alles, was er hat oder ist, verliert seinen Wert.
Da ist nichts mehr, worauf er stolz wäre, was er in die Waagschale werfen wollte. Unter den Augen Gottes zerfällt sein Leben zu einem kleinen Häufchen Elend.
Er schämt sich: Er malt sich aus, wie Gott ihn wohl sehen muss. Und ihm fällt nichts ein, was ihm an sich selber gefallen würde, wenn er Gott wäre. Dafür aber vieles, was er vor sich selber gern verbirgt – aber jetzt nicht mehr kann.
Wie kommt einer wieder heraus aus der Scham? Was mache ich, wenn ich überführt bin: eines kleinen Fehlers, einer großen Lüge? Wie gehe ich damit um, wenn mein stolzes Ich angegriffen wird?
Ich kann Tweets schreiben. In denen ich leugne, dass ich etwas falsch gemacht haben sollte. Und in denen ich die lächerlich mache, die mir etwas vorwerfen. In denen ich alles zu fake news erkläre, was nicht meiner Sicht auf die Welt und die Wahrheit entspricht.
Natürlich mache ich das nicht. Ich habe ja keinen Twitter-Account. Und doch leugne ich eher, als dass mir gelingt, was Jesaja tut. Er verwandelt seine Scham in Demut. Er hält sie aus, seine Fehler, und liefert sich dem aus, an dem er schuldig geworden ist. Der, Gott, soll sein Urteil sprechen.

Jesaja schreibt:
Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.
(Jesaja 6,6-7)

Auch das ist eine Taufe: eine glühende Kohle, die den Mund verbrennt.
Kein Vergleich zu den beiden Taufen, die ihr gerade erlebt habt. Da ging es um etwas anderes. Da ging es um ein Versprechen.
Ihr habt euer Kind zur Taufe gebracht, weil ihr hofft: Gott umgibt sie von allen Seiten und hält seine Hand über ihr.
Dass du jetzt getauft bist, ist auch dein Versprechen, dass du vertrauen willst: Gott ist dein Licht und Heil. Wovor solltest du dich also fürchten?
Taufe ist ein Bündnis, das ihr geschlossen habt mit Gott. Ein Bündnis für das Leben – und gegen all das, was euch ängstlich und einsam machen könnte.
Auf dem Taufstein hat das der Steinmetz eingehauen: Ein Ritter ist darauf zu sehen, der einen Menschen vor einem Monster retten will. In letzter Sekunde befreit er ihn vor dem, was ihm ans Leben will, und schenkt ihm das Leben neu.
Aber auch das, was Jesaja erlebt, ist Taufe: Wer vor dem Monster gerettet wird, trägt Narben aus dem Kampf davon. Gott hinterlässt Spuren, wenn er so in ein Leben tritt.
Manchmal sind es Wunden, die sich dem Gedächtnis einbrennen. Wie die Kohle an Jesajas Lippen.
Manchmal ist es wie ein Bauchnabel ist, der Jahre später noch an die neue Geburt erinnert: Jetzt ist dein Leben neu und du bist frei.

Jesaja schreibt:
Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!
(Jesaja 6,8)

Du sitzt eine kleine Weile in deiner Bank und merkst gar nicht, wie die Zeit vergeht. Vielleicht steht sie ja auch still, für einen kleinen ewigen Augenblick.
Solltest du jetzt beten?, geht es dir durch den Kopf. Irgendetwas sagen, dem, der so nah ist, obwohl du ihn nicht siehst, noch nie gesehen hast.
Aber er hat dich berührt. Am Herzen berührt. Er muss also da sein. Irgendwo um dich herum. Dir gegenüber. In dir. Also wird er auch hören, was du nicht sagen kannst.

Er wendet sich zum Gehen. Noch ein letzter Blick auf den Altar, in das Gewölbe.
Dann steht er vor dem Tisch im Vorraum. Ein Buch liegt dort, die Seiten beschrieben von den Leuten, die in den letzten Tagen wie er diesen Raum betraten. Die nichts suchten, aber gefunden wurden.
Er nimmt den Kugelschreiber, hält kurz inne und schreibt: Danke für das Leben, das jeden Tag neu wird und immer dir gehört.
Vergnügt blinzelt er in die Sonne, als er vor die Tür tritt.