Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Bildung im Kindergarten

Querschnittsdimensionen von Bildung

Im Mittelpunkt der Bildungsleitlinien stehen die individuellen Bildungsprozesse jedes einzelnen Kindes. Eine Förderung kann nur gelingen, wenn wir die Unterschiede bei allen Beteiligten berücksichtigen. Diese Unterschiede werden im Folgenden als Querschnittsdimensionen beschrieben, die in allen Bildungsbereichen eine Rolle spielen.

1. Partizipationsorientierung

Die Kinder haben ein Mitsprache- und Mitwirkungsrecht bei Angelegenheiten, die den Tagesablauf betreffen. Interessen und Wünsche der Kinder werden aufgegriffen und im Alltag – sofern möglich – einbezogen bzw. thematisiert. Wir verhandeln miteinander und treffen gemeinsame Entscheidungen. Uns ist es wichtig, dass die Kinder erleben, dass ihnen zugehört wird und ihre Meinung uns wichtig ist. Sie lernen Verantwortung für sich und für die Gemeinschaft zu übernehmen, indem sie kleine Aufgaben erledigen, z.B. beim Aufräumen, Getränke Einschenken, bei Ausflügen.

Praktische Beispiele der Mitbestimmung sind u.a.:

  • Teilnahme bei der Gestaltung der Räume;

  • beim Freispiel dürfen Spiele, Bücher zum Vorlesen, Spielpartner, Bastelangebote mit ausgesucht werden;

  • die Kinder entscheiden mit, ob eigenes Spielzeug mit in den Kindergarten genommen werden darf;

  • die Kinder entscheiden sich für einen Frühstücksspruch oder ein Gebet vor dem Essen;

  • nach dem gemeinsamen Frühstück wird auf Wunsch noch gesungen oder es werden Fingerspiele angeboten;

  • in Konfliktsituationen versuchen die Kinder selbstständig verschiedene Interessen miteinander auszuhandeln. Dabei geben wir ihnen bei Bedarf Unterstützung;

  • bei Problemen innerhalb der Gruppe bilden wir einen Gesprächskreis, um gemeinsam eine Lösung zu finden;

  • wir stellen gemeinsam Streitregeln auf.

2. Inklusionsorientierung

Inklusionsorientierung verweist darauf, dass es normal ist, unterschiedlich zu sein. Es findet eine soziale Teilhabe aller Kinder statt, unabhängig von ihren unterschiedlichen Begabungen oder Beeinträchtigungen. Jedes Kind steht für sich im Mittelpunkt.

Uns ist es wichtig, jedes einzelne Kind zu begrüßen und willkommen zu heißen, um eine Wertschätzung zu übermitteln und ein gesundes Selbstwertgefühl des Kindes aufzubauen. Wir schauen auf die Stärken der Kinder und unterstützen diese. Ausgrenzungsprozesse versuchen wir im Blick zu halten und ihnen entgegenzusteuern.

Kinder, die besonderen Unterstützungsbedarf haben, brauchen zusätzliche Angebote wie z.B. Frühförderung durch die Lebenshilfe, Logopädie oder Ergotherapie. Hier wenden wir uns an die Eltern und mit deren Einverständnis an die entsprechende Institution.

3. Lebenslagenorientierung

Die Lebenslage der Familie hat immer auch Einfluss auf die Lebenslage des Kindes. Sie wird be­einflusst durch das Einkommen und das Bildungsmilieu der Eltern, die familiäre Situation, die kulturelle Herkunft, Schicksalsschläge und vieles mehr.

Um Kinder in belastenden und benachteiligten Lebenssituationen zu helfen und zu fördern, ist es für uns wichtig, in Kontakt mit den Eltern zu sein, um bei Informationen auf das Verhalten der Kinder zu reagieren und gezielt handeln zu können.

Wir sind jederzeit für Gespräche bereit. Einmal im Jahr, meistens im Februar oder März, wird ein Elternsprechtag angeboten.

4. Sozialraumorientierung

Durch die Gespräche mit den Eltern wissen wir, wo und wie die Kinder mit ihren Familien wohnen. Wir beziehen das Lebensumfeld der Kinder in unsere Arbeit mit ein.

Zum Beispiel besuchen wir die Schulanfänger, die der ganzen Gruppe ihr zu Hause zeigen. Wir bieten Ausflüge zum Bäcker, zum Museum, zur Polizei oder Feuerwehr, zum Strand und ins Watt an. Wir besuchen einen Bauernhof, eine Käserei oder einen Ziegenhof. Teilweise sind sogar die Eltern in diesen Einrichtungen beschäftigt, und die Kinder können stolz deren Arbeit präsentieren. Wir sind in Kontakt mit dem Landfrauenverein und informieren über dessen Angebote. Wir kennen die politischen Vertreter der Gemeinden.

5. Interkulturelle Orientierung

Die unterschiedlichen Kulturen werden bei uns im Kindergarten akzeptiert. Wir nehmen die Vielfalt der Kulturen wahr und beziehen sie in unsere Arbeit mit den Kindern ein, z.B. durch Projekte wie "Wir reisen um die Welt". Wir erzählen uns gegenseitig über unser Leben und unsere Sprache. Dabei wünschen wir auch den Dialog mit den Eltern. Interkulturelle Feste wie z.B. das Zuckerfest werden aufgegriffen und mit unseren Kindern gefeiert und ihnen nahe gebracht.

6. Genderorientierung

Wir geben den Jungen und Mädchen ein breites Angebot, ihr eigenes Geschlechterrollenverhalten flexibel zu gestalten, ohne typisierende Rückmeldung (un-typisch Mädchen, un-typisch Junge) zu geben.

Jeder Junge bzw. jedes Mädchen kann sowohl in der Bauecke als auch in der Puppenecke spielen. Die Kinder können sich in der Verkleidungskiste Röcke, Kleider, Schleier wie auch Indianerkostüme, Hosen, Overalls, Hüte und Ähnliches aussuchen. Eine Werkbank steht allen Kindern zur Verfügung.

Bildungsbereiche

"Die Kindertagesstätten haben einen eigenen Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsauftrag. Dabei ist die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu unterstützen und das leibliche, seelische und geistige Wohl des Kindes zu fördern. Dies geschieht vor allem durch die Förderung der individuellen Selbst-, Sozial- und Lernkompetenz und orientiert sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes. Das Erziehungsrecht der Eltern (§1 Abs. 2 SGB VIII ) bleibt unberührt" ( KiTaG Schleswig Holstein).

Bei der Entdeckung und Aneignung der Welt begegnen Kinder vielen Themen, die in sechs Bildungsbereichen zusammengefasst sind. Dabei wird die Bildung immer ganzheitlich gesehen. Die einzelnen Bildungsbereiche sind im täglichen Miteinander eingeflochten und nicht als Schulfächer anzusehen. So spricht ein Beschäftigungsangebot meist mehrere Bildungsbereiche an.

Bildungsbereich Sprache(n), Zeichen/Schrift und Kommunikation

  • Es werden täglich in der Kuschelecke Bücher vorgelesen, oder die Kinder haben die Möglichkeit Bilderbücher zu betrachten und zu beschreiben.

  • Sprachförderung in der alltäglichen Kommunikation mit dem Kind: Das Kind soll Spaß am Erzählen haben. Wir hören genau zu und halten Blickkontakt, damit es sich verstanden und angenommen fühlt.

  • Lieder, Fingerspiele, Zungenspiele, rhythmisch-musikalische Bewegungsspiele: Das Wiederholen der Kinderlieder mit gleichzeitiger Bewegung fördert die Aufnahme der sprachlichen Inhalte.

  • Rollenspiel und Theater: Durch Rollenspiele wie zum Beispiel "Vater, Mutter und Kind", wie auch beim Theaterspielen mit Handpuppen oder beim Verkleiden.

  • Sprachförderung im Rahmen des Konzeptes zur Förderung der phonologischen Bewusstheit: Mit den Vorschulkindern wird anhand einer Handpuppe die phonologische Bewusstheit gefördert. Sie gilt als entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb.

  • Spiele und Gesellschaftsspiele: Anhand von Spielen wie zum Beispiel Obstgarten, Pustekuchen, Einkaufen u.v.m. wird die Sprache gefördert.

  • Friesisch als Zweitsprache: Für viele Kinder ist Friesisch auch die Muttersprache. Wir binden die Sprachen Friesisch und Plattdeutsch in unseren Kindergartenalltag mit ein. In der Gruppe ist eine Friesisch oder auch Plattdeutsch sprechende Erzieherin, die diese Sprachen den Kindern auf natürlicher Weise übermittelt.

Bildungsbereich Ethik, Religion und Philosophie

  • Wir stellen mit den Kindern gemeinsam Verhaltensregeln auf: Welche Regeln sind im Umgang mit Menschen wünschenswert und welche nicht? Hauen ist zum Beispiel verboten. Es finden Gespräche über Gefühle statt, über prosoziale Kompetenzen wie zum Beispiel einander trösten, einander helfen, das Frühstück teilen u.v.m.

  • Die Pastorin kommt einmal in der Woche und erzählt biblische Geschichten, die sie mit kleinen Puppen und bunten Tüchern veranschaulicht. Sie singt mit den Kindern kirchliche und religiöse Lieder. Das Kind erfährt hierbei ein hohes Maß an Wertschätzung, zum Beispiel: Gott hat alle Kinder lieb.

  • Gemeinsames Beten vor dem Frühstück: Anhand eines Gebetswürfels darf jedes Kind abwechselnd ein Tischgebet würfeln.

  • Wochenabschlusskreis mit Segenslied: Jeden Freitag wird in einem Stuhlkreis eine positive Rückmeldung zur Woche gegeben. Jedes Kind darf sich äußern. Abschließend fassen sich alle Kinder an und singen ein Segenslied. Es ist uns wichtig, dass die Kinder in der religiösen Bildung Vertrauen, Geborgenheit und Ermutigung erfahren.

  • Wir feiern mit den Kindern kirchliche Feste wie zum Beispiel Ostern, Weihnachten, St. Martin, Familiengottesdienste und mehr.

  • Beim Philosophieren mit Kindern geht es hauptsächlich um die Fragen "Wieso, weshalb, warum?" Wir haben stets ein offenes Ohr für die Fragen der Kinder, die uns täglich begegnen. Wie nehmen uns Zeit, den Kindern zuzuhören und ihre Gedanken wahrzunehmen. Mit dem Vorlesen von Bilderbüchern, zum Beispiel "Sonne im Bauch", regen wir die Kinder zum Philosophieren an.

Bildungsbereich Gestalten, Darstellen, Musik, Theater und Medien

  • Im Freispiel haben die Kinder die Möglichkeit, zu malen, zu zeichnen, zu werken, zu schneiden, zu tuschen, zu formen, zu drucken u.v.m. Es werden Bastelangebote unterbreitet, die angeleitet werden, oder die Kinder können aus eigener Initiative mit eigener Kreativität etwas gestalten. Dazu liegen viele Materialien bereit.

  • Bei uns wird täglich gesungen und musiziert. Feste, Aktionen, Projekte und Rituale werden von Liedern, Bewegungsspielen, Tänzen und Reimen begleitet. Im Freispiel haben die Kinder die Möglichkeit, Instrumente selber herzustellen oder auf Anfrage mit Instrumenten, die im Kindergarten vorhanden sind, zu musizieren.

  • Im Rollenspiel haben die Kinder die Möglichkeit, sich zu verkleiden. Sie üben kleine Theaterstücke ein und führen sie uns vor oder nehmen dazu die Handpuppen. Es finden ebenfalls Theaterbesuche statt.

Bildungsbereich Körper, Bewegung und Gesundheit

  • Diese Bildungsschwerpunkte sind eng miteinander verknüpft. Über Projekte und Aktionen lernen die Kinder zu diesen Themen. Das Projekt "Mein Körper" gibt zum Beispiel Anhaltspunkte über den Aufbau und die Funktion des Körpers, über Entwicklungsphasen, die Wahrnehmung u.v.m.
    Zu jedem Projekt werden passende Lieder und kreative Angebote einbezogen.

  • Bewegung bieten wir für die Kinder in der Turnhalle an, die wir einmal in der Woche nutzen. In der Turnhalle werden Bewegungslandschaften aufgebaut, in denen wir Kisten, Trampolin, Ringe, Seile, Kletterwand u.v.m. einbeziehen. Es werden Ballspiele, Lauf- und Fangspiele, Geschicklichkeits- und Reaktionsspiele, Spiele für das Gleichgewicht, Bewegungsgeschichten, Toben-Raufen-Kräftemessen und Entspannungsgeschichten angeboten.

  • Wir verfügen über ein großes Außengelände, auf dem sich die Kinder austoben können. Die Kinder lernen dadurch, räumliche Zusammenhänge zu entdecken, Eindrücke zuzuordnen und sich selbst zu erfahren.

  • Kinder, die sich wohl, geborgen und dazugehörig fühlen, haben eine gute Voraussetzung, sich gesund zu entwickeln. Wir bieten folgende Themen zu diesem Bereich an: Kontakte und Freundschaften finden, Grenzen und Regeln setzen, Gefühle erleben, wahrnehmen und ausdrücken, Umgang mit Konfliktsituationen, Gemeinschaft erleben, Nein sagen, eigene Wünsche und Bedürfnisse und die der anderen erkennen.

  • Zum Thema "körperliche Gesundheit" bieten wir folgendes an: Erste-Hilfe-Kurs, Krankenhausbesuch, Krankenwagen anschauen, Zahnprophylaxe und sicheres Verhalten im Straßenverkehr (Fußgängerführerschein).

Bildungsbereich Kultur, Gesellschaft und Politik

Die Kultur eines Landes oder einer Religion stellt sich in vielen Formen dar. Sie zeigt sich in der Sprache, Kunst, Musik, Bauweise, in Festen und Ritualen oder in Umgangsformen, die im Miteinander üblich sind. Unser Ziel ist es, uns mit den Kindern über die Vielfalt der kulturellen Erscheinungsformen auseinander zu setzen. Dazu gehören Projekte wie zum Beispiel:

  • Sprachen wie Friesisch, Plattdeutsch oder andere Muttersprachen (Türkisch, Persisch, …) der einzelnen Kinder kennen zu lernen;

  • Gerichte aus verschiedenen Kulturen kochen,

  • wie leben die Kinder in anderen Ländern?;

  • Traditionen, wie hat man früher gelebt?;

  • wir besuchen regelmäßig das Museum "Kunst der Westküste" und nehmen an Workshops teil.

Im Bereich der Gesellschaft geht es um die Frage, was Zusammenleben bedeutet. Dazu zählt, in der Gruppe die Verantwortung zu übernehmen für ein neues Kind (Patenschaft), in der Kita gemeinsame Regeln aufzustellen, verschiedene Aufgaben zu übernehmen (Aufräumen, Tisch decken, …).

Im Gemeinwesen geht es zum Beispiel darum, die Bäckerei kennen zu lernen, die Polizei und die Feuerwehr zu besuchen, Ausflüge zu anderen Kitas zu unternehmen, die Demenzgruppe, die Amtsverwaltung und die Schule zu besuchen.

Demokratie ist ein Leitprinzip unserer Einrichtung. Die Kinder können ihre Interessen und Ziele einbringen, müssen aber auch lernen, dass ihre Ziele nicht unbedingt die Ziele der anderen sind und dass man Kompromisse finden muss und kann. Es werden gemeinsame Abstimmungsregeln gestaltet.

Weitere politische Themen sind zum Beispiel die Fußballmeisterschaft, Wahlen, Umweltkatastrophen und Krieg.

Bildungsbereich Mathematik, Naturwissenschaft und Technik

Mathematik, Naturwissenschaft und Technik sind eng miteinander verbunden. Messen, Zählen oder Abschätzen von Mengen spielen beim Experimentieren mit Naturphänomenen eine Rolle, zum Beispiel: Wie lang ist ein Regenwurm, wie viele Punkte hat ein Marienkäfer? Technik ist die praktische Anwendung von Mathematik und Naturwissenschaften. Wenn ein Kind ausprobiert, was es tun muss, damit der selbstgebaute Turm nicht umkippt, übt es ein Gespür für Größenverhältnisse und Schwerkraft.

Den Bereich Mathematik fördern wir außerdem anhand von Spielen mit Würfel, mit geometrischen Figuren, mit bunten Plättchen oder Knöpfen zum Sammeln und Sortieren, Domino u.v.m. Mit einem Lineal oder Zollstock werden einzelne Gegenstände oder die Körpergröße gemessen. Mit der Waage vom Kaufmannsladen wird gewogen, welcher Gegenstand schwerer ist. Wir besitzen einen großen Mathematikkasten für den Zahlenraum 1 bis 15.

Die Kinder haben täglich die Möglichkeit, mit den vorhandenen Materialien zu experimentieren. Wir bieten regelmäßig eine Experimentierwoche an, wozu sich jede pädagogische Fachkraft zu einem Bereich (Wasser, Luft, Schall, Rauch, Licht und Farbe) ein Experiment überlegt, vorbereitet und mit den Kindern durchführt.

Wir besitzen viele verschiedene Spiele zum Thema Naturwissenschaften. Eine Brainbox steht den Kindern zur Verfügung, in der die Grundlagen der Elektrizität vermittelt werden. Ein Schmetterlingsgarten wird regelmäßig zur Schau gestellt, in der die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling beobachtet werden kann.

Wir bieten zum Thema Technik zum Beispiel den Umgang mit Werkzeugen, Bauen mit Legosteinen und das Experimentieren mit technischem Spielzeug wie einer Waage, einem Magneten, einer schiefen Ebene und mit Lupen an.