Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...


Schmeckt wie Sonnenmorgen

In aller Eile hatten sie sich von dem Kind und der Frau und dem Mann im Stall verabschiedet und waren aufgebrochen. Nur das Nötigste hatten sie mitgenommen auf den Weg zurück. Ein wenig Brot, ein paar Datteln, einen Schlauch Wasser.

Was sie unterwegs brauchten, würde sich finden. Wie diese Quelle zum Beispiel, an der sie jetzt standen. Leicht plätscherte das Wasser zwischen Kieseln hervor, sprang hierhin und dorthin, bevor es sich in einem kleinen Becken sammelte.

Alle Drei traten noch einen Schritt näher, beugten sich vor, tauchten die Hände in das Wasser und wuschen sich das Gesicht. Es roch frisch und fühlte sich kühl an auf der Haut.

Sie richteten sich einer nach dem anderen wieder auf, da stand Einer vor ihnen. Als sei er eben aus der Quelle neben sie getreten. Sie erschraken. „Fürchtet euch nicht!“, sagte der Andere und fragte: „Was sucht ihr hier?“

Sie starrten ihn an und fanden keine Worte. Also zeigten sie dorthin, wo sie hergekommen waren. Sie deuteten auch in die Richtung, wo sie hin sollten. Der Fremde nickte, als hätte er verstanden, und fragte wieder: „Aber was sucht ihr hier?“

Einer von ihnen holte den Schlauch, zog den Verschluss ab und schüttelte. Ein letzter Tropfen fiel auf den Boden vor ihnen. Da fanden sie auch die Sprache wieder. „Wir sind schnell aufgebrochen“, sagte der Erste. „Unser Weg ist noch weit“, fügte der Zweite an. „Wir haben Durst“, schloss der Dritte.

Der Andere nahm ihnen den Schlauch ab und drehte sich um und tauchte ihn in das Becken. Das Leder färbte sich dunkel, die Luft blubberte aus dem Schlauch, als das Wasser hineinfloss. Er zog den Schlauch wieder heraus, ließ ihn ein wenig abtropfen und reichte ihn zurück. „Nehmt!“, sagte er.

Die Drei schauten einen Augenblick auf den Schlauch, in dem es leise gluckerte. Als sie wieder aufblickten, waren sie allein. Dort wo eben noch der Fremde stand, war niemand mehr.

Die Drei sahen sich an. Dann nahmen sie einer nach dem anderen den Schlauch und tranken einen ersten Schluck. Kühl und frisch schmeckte das Wasser, wie ein Sonnenmorgen im Frühling.

Sie nahmen noch einen Schluck und noch einen. Dann verschlossen sie den Schlauch, in dem es weiter leise gluckerte. „Wir sind schnell aufgebrochen“, sagte der Erste. Der Weg ist noch weit“, sagte der Zweite. „Ja“, schloss der Dritte, „aber unser Durst ist gestillt.“