Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Wenn es an der Tür klingelt

Hat es nicht eben an Ihrer Haustür geklingelt? Schauen Sie doch nach: Vor der Tür steht einer mit ungewaschenen Haaren, speckiger Jacke und einem Stoffbeutel. Und er riecht, nein: er stinkt. Nach Schweiß und Alkohol. Natürlich will er etwas von Ihnen: Geld. Für den Bus und ein paar Brötchen – sagt er wenigstens.

Warum klingelt der ausgerechnet bei Ihnen? Geld wird er von Ihnen nicht bekommen. Soll er doch aufhören, zu trinken. Und anfangen, sich eine Wohnung und eine Arbeit zu suchen. Waschen sollte er sich mal und dann ein wenig anstrengen. Damit etwas aus ihm wird. Sie schütteln den Kopf und greifen nach der Tür, in der festen Absicht, sie zuzumachen.

Doch stattdessen sehen Sie, wie Sie die Tür weiter öffnen und den Mann in Ihre saubere Küche bitten. Sie schauen sich erstaunt dabei zu, wie Sie ihm eine Scheibe Brot schmieren und eine Tasse Kaffee kochen. Dann setzen Sie sich zu ihm an den Küchentisch. Beim Essen erzählt er Ihnen seine Geschichte, die Sie für wahr halten können, wenn Sie wollen. Als er dann geht, sagt er: „Das tat gut, Sie sind ein lieber Mensch, vielen Dank.“

Sie schließen die Tür, erstaunt über sich selber, über das, was Sie da gerade erlebt haben. Für den Augenblick dieser kleinen Mahlzeit blühte etwas auf. In dem Leben des Mannes, weil er erfährt, dass sich einer um ihn kümmert. In Ihrem Leben, weil Sie erleben, wie Sie einer freundlich und dankbar anschaut. Es ist nur ein Augenblick. Aber vielleicht bleibt etwas zurück von diesem Moment. Der Eindruck, dass sich zwei Menschen begegnen. Das Gefühl, dass auf dieser Begegnung Gottes Segen liegt.

Was sagen Sie? Es hat gar nicht an Ihrer Tür geklingelt? Wie schade!

Ihr Pastor Philipp Busch